Albanien

Ich bin mir nicht sicher, ob mir das entgangen ist in der partiellen Nachrichtenabstinenz der letzten zwei Jahre Reisezeit, ist Albanien Mitglied der Europäischen Union? Kaum eine rote zweiköpfige Adlerflagge Albaniens neben der nicht der blau gesternte EU-Banner hängen würde. Am Grenzübergang, welcher problemlos und schnell ist, ebenso wie vor nahezu jedem offiziellem Gebäude mit öffentlicher Funktion.

Das weite Gebirgstal, welches uns von der griechischen Grenze nach Gjirokaster führt, ist mit einer guten Strasse gesegnet. Schilder weisen auf touristisch interessante Plätze, historische Kirchen und andere Sehenswürdigkeiten hin und unübersehbar sind die Zeugen der jüngeren Vergangenheit. Bunkeranlagen sind über das ganze Tal verteilt. Aufgereiht wie die Zinnsoldaten, halb versunken in Reihen als Schützengrabenverstärkung, so zahlreich, dass ich nur auf hunderte alleine in diesem Tal schätze. Gemacht, um Panzerbatallione aufzuhalten? Auf jeden Fall Symbole der Bereitschaft zur Wehrhaftigkeit gegen wen auch immer. Heutzutage fallen hier höchstens die mitteleuropäischen Wohnmobile auf der Durchreise nach Griechenland ein, aber die Zahl ist noch sehr gering.

Gjirokaster glänzt mit grandiosen schiefergedeckten alten Häusern an verwinkelten Strassen. Obwohl uns eine Busladung fernöstlicher Touristen überholt sind wir noch nicht in der touristischen Saison. So haben wir sowohl in der Unterkunftswahl als auch in der Burgbesichtigung das Feld für uns alleine. Im Museum führt uns die lokale Historikerin extra durch die Zeugnisse der Geschichte des letzten Jahrhunderts. Nationalstolz gepaart mit willkommener Freundlichkeit.

Uns zieht es weiter durch die Berge, welche zu Hügeln werden. Die Bunkeranlagen weichen hässlichen Industrieruinen. Fördertürme für Öl oder ähnliches und Pumpen so alt, als dass sie aus Grossvaters Zeiten stammen könnten und teilweise dennoch in Betrieb. Die damit einhergehenden Umweltschäden sind das unübersehbare Beiwerk und zeugen von der wirtschaftlichen und politischen Realität.

Nach weiteren teils holprigen Kilometern auf Strassen, die noch nicht mit Unterstützung von EU-Geldern saniert wurden, wie sonst auf Tafeln am Straßenrand deutlich vermerkt, erreichen wir das flache Küstenland. Hier geht es flott auf gutem Asphalt, aber dafür leider mit reichlich Regen nach Durres zum Hafen.

Wir buchen einen Platz auf der Fähre nach Italien. Von der Grenzbeamtin werden wir freundlich auf englisch verabschiedet. Eigentlich ist sie ja Englischlehrerin, aber in diesem Bereich gäbe es wohl im Moment keine so guten Jobs, wie bei der Grenzpolizei. Ich denke an die zwei Flaggen, und frage mich ob das nicht bald wieder anders sein wird.