Deutschland

Wir erkundigen uns nach dem Weg und die kleine Hemmschwelle, diese Frage erstmals nicht in einer Fremdsprache formulieren zu müssen, führt im ersten Moment zu einem längeren Zögern. Keinem Außenstehendem fällt das Zögern auf, nur einem selbst. Irgendwie glüht man auch ein bisschen unter dieser vergrößerten Reibung. Eben wie ein Raumfähre beim Wiedereintritt in die heimische Atmosphäre.

Wow, wir sind seit ca. 30 Minuten in Deutschland. In Saarbrücken Innenstadt. Ich kenne das alles hier, da ich sogar mal kurze Zeit hier gelebt habe. Ich bekomme Auskunft über die Richtung, welche wir einschlagen müssen, um zu einem alten Freund zu gelangen. Unsere erste Anlaufstelle in der Heimat.

Heimat was für ein seltsamer Begriff. Ja irgendwie waren wir immer unterwegs und in der Fremde, aber irgendwie konnte man sich auch innerhalb von 10 min in einem kleinen schäbigen Hotelzimmer zu Hause fühlen. Oder unter freiem Himmel mit Millionen Sternen in der Wüste allein. Wenn wir abends auf einem „nightmarket“ noch an den Garküchen essen waren, haben wir gesagt. „Komm gehen wir heim“. An den Platz, welchen wir erst eine halbe Stunde vorher bezogen hatten.

Und jetzt sind wir hier. Wir finden unseren Weg und werden herzlich begrüßt. Alte Freunde treffen ist immer etwas Besonderes. Wir sollen uns wie zu Hause fühlen. Macht euch keine Sorgen das werden wir, da sind wir Profis. Und ich weiß, dass dieses Angebot auch so gemeint ist.

Obwohl im Saarland, sobald es warm ist, ein Schwenkergrill, kurz Schwenker, fast schon eine Pflichtinstitution ist, fühlen wir uns schon geehrt, als für uns der Grill geschaukelt und eine Feier einberufen wird.

An der Mosel entlang geht es zu unseren nächsten Opfern. Alte Freundin von Caroline überraschen. Hinterhältigerweise wird sie von Ihrem Freund zur Eisdiele entführt, wo eine wohlgeplante Überraschung auf sie wartet. Wir sind froh, dass der anfängliche Schockzustand, kreidebleich zwar, aber ansonsten ohne Verlust Ihrer geistigen Kräfte überlebt wird. Schließlich haben wir Ihr viel zu verdanken. Endlose Stunden und Notfallorganisationseinsätze am internetgekoppelten PC, um für uns in der Ferne mal schnell was zu regeln. Wenn so ein anschließender Abend auf der Terrasse nicht so schnell vorbei gehen würde. Aber dafür werden wir noch am nächsten Tag mit dem Rad begleitet.

Zwei Tage später ist es dann so weit. Fast zwei ein Viertel Jahre sind wir unterwegs, als wir von Klaviermusik begleitet am Mainufer in Frankfurt City vom Rad steigen. Freunde und Kollegen sind gekommen uns zu begrüßen und sich mit uns zu freuen und zu feiern.

Den Sekt kühlen wir in unseren Radtaschen auf Eis. Die klaviermusikalische Begleitung verdanken wir, wie so viele Erlebnisse dieser Reise, Menschen, die wir unterwegs kennen gelernt haben, und die spontan Dinge tun, die andere vielleicht nie in Betracht ziehen würden. Zum Beispiel ein Klavier ans Mainufer stellen und ein Ständchen spielen für Menschen, die man in Ägypten ein halbes Jahr vorher zum ersten Mal traf. Bis zum letzten Moment nehmen wir so die Welt mit nach Hause.