Frankreich

Vive la France, zumindest was die Fahrradfreundlichkeit auf den Straßen und die Nahrungsmittelauswahl in den Supermärkten betrifft. Aber damit ist dem bescheidenden Radreisenden ja schon fast genüge getan, wäre da nicht noch der Freiluftfaktor. Da man als Radreisender naturgemäß einen großen Teil seiner Zeit im Freien verbringt, wuchs sich die von Sardinen auf Korsika übertragene hohe Regenwahrscheinlichkeit zu einem gewissen Unmut aus. Der Begriff Frühsommerwinter beschreibt unsere Empfindungen, was die Wetterlage betrifft eigentlich ganz ausgezeichnet.

Schnee auf den Gipfeln Korsikas und der Pyrenäen im Juni. Rhythmisch wiederkehrende Regengüsse und frühabendliche Temperaturen, die uns zu Handschuhen, Mütze und Zwiebelschalenbekleidung greifen lies, an der französischen Mittelmeerküste, im gleichen Zeitraum.

Gut, Schwamm drüber, wir wollen ein Land nicht anhand seiner Wetterlage bewerten. Bewerten wollen wir ja eigentlich sowieso nicht, sondern erfahren und da gab es reichlich Gutes. Ausgesprochen glücklich machte uns beispielweise die schon fast klischeehafte Backwarenkultur, welche sich auch hervorragend mit den ebenfalls überall erhältlichen wichtigen Kulturgütern Frankreichs, Wein und Käse, kombinieren lässt. Zu unserer Freude als Freiluftreisende scheint es auch gängig, dass man sich mehr oder weniger Überall und zu jeder Zeit einem Genuss der Lebensmittel in Form eines Picknicks hingeben darf und dabei von den Einheimischen in keiner Weise vertrieben, sondern in aller Regel mit einem „Bon Appetit“ bekräftigend unterstützt wird.

Ebenfalls sehr löblich erschien uns, neben der Gastfreundschaft, welche wir von zurückgekehrten Radreisenden, quasi Ruheständler erfahren haben, die Behandlung von Radfahrern auf der Straße. Souveränes Überhohlen ohne gestresstes Hupen, keine Nötigung durch minutenlanges Stoßstangengeschiebe oder gefährliche sauknappe Anfahrversuche. Also Sahneradeln. Gut, die eine leere Plastikflasche mit der wir aus dem Fenster eines vorbeifahrenden Autos beworfen wurden verzeihen wir. A****löcher gibt’s ja bekanntlich überall.

Hatten wir uns auf dem Weg nach Spanien noch eher versucht geradlinig möglichst zügig vorwärts zu bewegen, schalteten wir auf dem Rückweg durch Frankreich nach Deutschland eine Gang runter. Mit gelegentlicher Unterstützung von fahrradfreundlichen Zugabteilen versüßten wir uns das Reisen. Jetzt war die Welt schon umrundet und wir wollten einfach noch mal ein bischen Urlaub machen. Mit dem Fahrrad in Frankreich eben. Schön unter Platanen am Kanal entlang. Abends auf einen kleinen Campingplatz, von denen es ja reichlich gibt, und morgens einen Milchkaffe in der Schale. Klischee jawohl, aber so konnten wir auch noch die mehrtägige Frostwelle guten Mutes überstehen, bevor wir im Elsass endgültig aufgetaut wurden. In Blickweite der Heimat konnten wir uns schon an die deutsche Sprache wieder gewöhnen und uns von Freunden, welche wir in der Ferne der Welt kennengelernt hatten, ein Stück begleiten oder mit original Flammkuchen bewirten lassen.

So landete man dann ganz unbemerkt an einem zweisprachigen Wegweiser auf dem Radweg, mit einem alten Grenzstein daneben, und plötzlich realisiert man, man ist zurück in der Heimat.